onsdag, november 09, 2011

NaBloPoMo V

Yrjönkatu. Sauna und schwimmen, mit der E., die in 2 Wochen nach Berlin zieht. Weg von Helsinki, raus aus Finnland. Weg von der Mutter, noch weiter weg von der Schwester, der Grossmutter. Mitte 20.

Deutschkurse. Integrationskurse. Zusammenziehen. Formulare. Eingewöhnen. Erstes Weihnachten in der neuen Heimat. Krankenversicherung. Abschiede. Airberlin. Finnair. U-Bahn statt Metro. Billig statt teuer. Lachen über deutsche Saunas. Noch viel mehr über gemischte Saunas, Kopfschütteln. Asslehti.

Schwer wird es, denke ich mir, und drücke sie fest an mich, schwerer als sie vermutet. Und noch viel schwerer als alle denken, die es nie gemacht haben, dieses Kofferpacken für ein Leben in einem anderen Land auf unbestimmte Zeit, die nächste Ewigkeit.

Auf Schnee hofft sie, am liebsten zuWeihnachten und in die Kirche wird sie dann gehen, an Heiligabend, weil er es will und echte Kerzen am echten Weihnachtsbaum wird es auch geben.

Dann lächelt sie tapfer, steigt in die Metro.

In Berlin wird sie hoffentlich glücklicher sein, als sie es hier in Helsinki ist.

Hyvää matkaa, pieni-E ja tsemppiä!

tisdag, november 08, 2011

NaBloPoMo

POST!
Rechte Seite für mich.

Linke Seite für ihn.

Ich kann ihre Stimme fast hören, wie sie "DIRK" ruft. Genauso nämlich wie sich, "Cherie", kreischt und dann anfängt zu lachen, so, wie nur sie es kann, die Augen zusammengekniffen, vielleicht die Hand vor dem Mund, ein bißchen schrill, dann ein Zwinkern.
Freunde.
Tinte, die in's Herz schießt.

fredag, november 04, 2011

NaBloPoMo 3

Um 18:00 schliesst die Markthalle. 17:45 nehme ich einen der kleineren Eingänge und marschiere zum Fleischstand, denn ich brauche Roastbeef, viel Roastbeef, 2.5 kg Roastbeef. Mir fällt kurz die Kinnlade nach unten, nachdem der Fleischer von einem grossen Stück Fleisch, 2523g abschneidet. Er weiss, was er tut.
An der Käsetheke, aber nur an der einen bestimmten, nicht an der anderen, da stehe ich mir dann ungefähr noch 12 Minuten die Beine in den Bauch. Eine Lautsprecherstimme informiert, dass die Markthalle in ein paar Minuten schliesst. Am Käsestand stehen noch vier Kunden vor mir. Die drei Damen vom Käsestand lassen in aller Ruhe alle Kunden ein bisschen vom Käse probieren. Ich möchte gern herzhafte Käse, drei verschiedene und mittelweiche, ein bisschen zäher als Brie und weicher als alter Gouda. Kurz danach habe ich ein Stück Käse im Mund und es schmeckt ungefähr so, wie ich mir vorstelle, dass ein Zickenstall riecht. In Finnland schliesst man pünktlich: auf der Arbeit, in den Läden, in den Diskos und den Banken, überall. "Wir schließen in 5 Minuten.", blökt es durch die Lautsprecher. Die Verkäuferin guckt nervös über meinen Rücken und merkt wohl, wie ich kurz davor bin, mich schnell zu entscheiden. "Keine Hektik, ich brauche nur einen Kaffee, von gegenüber. Lass dir Zeit, hier, probier mal diesen, besser, oder?" Wir finden drei Käse und dann doch noch einen, extra. Der ältere Herr neben mir nimmt noch 10 Eier, vom Land. Am Ende kaufe ich vier Käse und sechs Eier.

Fleisch von Reinin Liha. Roastbeef, 18.90€/kg
Käse vom besten Käseladen der Stadt, Lentävä Lehmä, die Dame auf dem Foto, das war sie, die Kaffee-Käse-Dame. 4 Käse, mittelgrosse Stücke, so um die 100-200g, alle sehr köstlich 15.80€ zusammen. Ein Bioei, o.50€.
Das alles in der Markthalle (auf finnisch witzigerweise, "Kauppahalli", also Kaufhalle, so wie im Osten, damals) am Hakananiemi(platz), im Sommer mit Marktplatz vor der Halle ==> Hakaniemen Kauppahalli. 10 mal origineller als diese Touristenfalle am Hafen, die verlinke ich hier gar nicht erst.

NaPoBloMo 2

Der wärmste November seit 50 Jahren, so schreiben sie hier. Schon am Nachmittag wird es dunkel und es ist noch viel dunkler, weil noch kein Schnee liegt.

Kannst kommen, wir sind so soweit.

onsdag, november 02, 2011

NaBloPoMo 1

1.11.11

Gemacht: Fast fertig, gehäkelte Decke. Nummer 3 in diesem Jahr. Grosse Frage: verschenken oder verkaufen?
Gesehen: Last Night, Mildred Pierce, Upstairs Downstairs, Gooische Vrouwen de Film, Alles is Liefde, Her Name was Sarah, Downton Abbey.
Getroffen: Fräulein Ärztin.
Gegessen: Fischsuppe.
Getrunken: Tee, Kaffee, Codeinhustensaft.
Geschlafen: viel und wie ein Stein, vor allem nach dem Codesan.

söndag, juni 19, 2011

Washing chez I

Die Waschmaschine hat das Zeitliche gesegnet. Bis ein neues Gerät da ist, laden wir uns nun bei Freunden ein.
Washing chez 1



Wann: 18.06.2011 19:30 ==> 19.06.2011 03.30
Wo: Bulevardi, Helsinki
Wer: Freund R.
Ladung: 1
Was: Alles das, was in der alten Waschmaschine noch so rumlungerte.
Gegessen: Salat, Chips (R.'s-Lieblings mit Dipponade).
Pulver: Omo.
Geredet: Über R.'s Trip nach Seoul.
Spassfaktor: 11 out of 10.

lördag, mars 12, 2011

120311


일기 2

Wieder beginnt der Tag sehr früh, diesmal mit O, 15 Jahre alt, der sein hübsches Gesicht hinter einem Vorhang von Haaren versteckt.
Der ganz normale Wahnsinn im Büro und beim Lunch mit den Kollegen geht es um kulturelle Unterschiede, denn ich habe vom Lunchmenu ein bisschen von allem genommen, die finnischen Kollegen ganz artig Kartoffelmus zu den Fleischbällchen, Reis zum Truthahn oder Fritten zum Schnitzel, genau so wie es da steht.
"Darf man denn von allem ein bisschen nehmen?", werde ich besorgt gefragt. "Als nächstes zählen wir die Fleischbällchen am Nachbartisch ab.", entgegne ich. In Finnland hält man sich an die Regeln. Wenn die Verkäuferin dir sagt, dass sie dir nur 90 Cent Rabatt gegen darf für den Knopf, der nicht an der Jacke hängt, dann akzeptieren das die meisten Finnen wohl. Ich hingegen schlug im richtigen Leben der Verkäuferin vor, dass sich der Laden darum kümmert, den Knopf anzunähen und ich dann später am Tag den vollen Preis bezahlen werde. Klappte wie erwartet prima.
Einmal entdeckte ich ein hübsches Babykleid, letztes in seiner Größe und verziert mit einem kleinen Fleck. Das Kleid sollte ursprünglich 18 € kosten. "Aber ist doch schon um 50% reduziert.", meint die Verkäuferin. "Ja, also beträgt der Preis nun 9€ und es ist schmutzig. Für 4.50€ nehme ich es sofort mit." Natürlich bekam ich den Rabatt. Die K, die mich begleitete, schämte sich in Grund und Boden. Wer also mal für kaputte Dinge für den vollen Preis verkaufen will: auf nach Finnland, hier geht noch was.

Abends lud DJ mich ein zum Abendessen in's Casa Mara. Ich bestellte Rote Beete mit Ziegenkäse und halte mich beim nächsten Mal wieder an die Gerichte, von denen ich weiß, dass sie mir gut schmecken.

Glatt ist es mit Sonnenschein.

onsdag, mars 09, 2011

090311

일기 1

Ich treffe P nun immer vor dem eigentlichen Unterricht, der um 8 Uhr beginnt. Unsere Stunde beginnt um 7 Uhr 10. P ist 11 Jahre alt und wird in ein paar Jahren wieder nach Deutschland ziehen. Darum treffen wir uns. P muss ein Jahr Französisch vorarbeiten.
P ist immer fröhlich und freundlich. "Bonjour, P, ça va?", frage ich sie und flötet mir ein "Oui, bonjour, très bien. Was heißt nochmal 'ich habe heute mein Lehrbuch nicht gefunden?'", entgegen.
Mit P fangen die Tage gut an. Sie liest gern Texte, fragt, will üben und lernen. Dann klingelt ihr Telefon, ihre Mutter. P verdreht die Augen. "Geh ruhig ran.", sage ich, wische die Tafel und überhöre natürlich, wie P ihre Mutter ermahnt "Mä on tunnissa, äiti.*" Den Rest verstehe ich nicht oder höre wohl einfach nicht zu, weil ich so gut weghören kann, wenn es sich nicht um meine Muttersprache handelt.
Kurz zischen Fragmente komischer Berichte über Händiverbote an deutschen Schule durch den Kopf.
Wir beenden die Stunde um kurz vor 8, damit P es rechtzeitig zu ihrem Unterricht schafft. Ich laufe durch die Morgensonne, nehme die Tram 7A zum Büro, was ein bißchen länger dauert als die eine Station mit der echten Bahn. Morgens ist mir der Hauptbahnhof einfach zu deprimierend. Die 7A schaukelt sich durch die Morgensonne, vorbei am Nationalmuseum, mit dem traurigen Bären auf der Treppe. Immer weiter tuckert die Tram Richtung Olympiastadion, wo sich die Schneereste türmen, entlang der Mannerheimintie, dieser langen Strasse, die sich durch Helsinki zieht wie ein dicker Wurm. Das Strassenbahndepot mit dem Museum liegt zur linken Seite, dann biegt sich die 7A lärmend nach rechts. An der Ecke befindet sich ein Frackverleih mit dem lustigen Namen "Frakkipalvelu Nam".

Ich weiß noch nicht so recht, wo ich am besten aussteigen muß, um auf dem kürzestem Weg zum Büro zu kommen und es ist noch zu ungemütlich um einen Extraweg zu laufen.
Das Büro riecht neu und schick. Hier und da wird noch ein Stück Auslegewaren verlegt. Ab und zu bohrt ein Handwerker ein Loch in die Wand. Ein anderer Handwerker rüttelt wichtig an einer Glastür und schraubt dann ein bißchen rum.
Dass sich die Kollegin E letzte Woche einen teuren Fehler geleistet hat, ist ihr heute egal. Kollegin E ist nämlich heute ganz besonders glücklich, weil sie schon mit einem halben Bein im Australienurlaub steht. Nichts und niemand kann ihre gute Stimmung trüben, nein, heute bestimmt nicht. Jemand aus China will wissen, wie dick das Eis auf der Ostsee ist. Ein Kollege aus Hamburg läßt sich über eine Mitarbeiterin aus Dänemark aus: "Hot Dog soll sie machen, aber nicht sowas!".
Ich bemerke nach 10 Tagen, dass mein neues Arbeitshandy eine Anrufbeantworterfunktion hat.

Und glatt ist es und wärmer ist es geworden, so um die -2°C oder +1°C, fast schon Frühling, mit Sonne und Wind.

Schöne Nachrichten heute:

Die neuen Labels sind angekommen und Ma hat sich gefreut.
A und S haben ihren gewünschten Hochzeitstermin bekommen.

*Ich bin im Unterricht, Mama.

söndag, februari 14, 2010

Alla hjärtans dag

fredag, januari 29, 2010

Almost Paradise

Almost Paradise, heisst ein Dokumentarfilm von Alessandro Cassigoli & Dalia Castel. Die Filmemacher widmen sich den Orten Brand und Briesen in der Niederlausitz (Cargo Lifter, Tropical Islands).

"Synopsis What happens when the world’s biggest artificial tropical resort is build right next to a small village in the former GDR?The documentary describes the strange relationship between the inhabitants of the little village Brand, known for its high unemployment rate, and the new tropical paradise: from the promising day of its opening in 2004 until 3 years later when the tropical paradise must close down temporarily leaving the village again to an uncertain future."

Man kann den Film, auf jeden Fall in Finnland, noch über das Internet sehen. Es lohnt sich.

torsdag, januari 28, 2010

Talvi Suomessa

Nachdem unglücklichen Fall auf den Kopf in Amsterdam in der Winterzeit, nun also auch hier ein Sturz. Auf dem Weg in's Büro, noch in unserer Straße. Es ging wieder so schnell, dass ich kaum "hoppla" denken konnte. Schnell war ein Termin beim Arzt gemacht (09:20 angerufen, Termin 10:10). Das geht natürlich nur beim privaten Ärztehaus, welches die Firma bezahlt, oder die Versicherung oder weiß der Kuckuck wer, ich jedenfalls nicht. Die Ärzte dort sind immer sehr freundlich. Viele Ärzte sprechen eine bisschen Deutsch und ich dann immer ein wenig Finnisch und es wird viel geschmunzelt, was das "zum Arzt gehen" ein wenig angenehmer macht. Ich finde es trotzdem schön, dass ich diese Menschen recht selten sehe. Im Büro derweil, sprachen sich die Neuigkeiten schnell herum. Es ist dann ein bisschen wie bei "Stille Post". Aus einem einfachen Ausrutscher wurde innerhalb einiger Stunden eine Geschichte, die die folgenden Schlagwörter beinhaltet: Allein-Fahrrad-ohne Helm-bergab-zu schnell-Autos-Bremsen versagt-zum Glück nur Hand gebrochen.

Die Hand ist nicht gebrochen. Das Fahrrad steht seit Monaten im Keller.

Mit der linken Hand tippt es sich sehr viel langsamer, als mit der linken und der rechten. In drei Wochen würde man wohl nichts mehr sehen. Nah, abwarten und Tee trinken.

söndag, juli 12, 2009

Memories

Niederländisches Emo-TV Teil 1:

Memories, auf der Suche nach der Liebe. Das Programm bringt Menschen zusammen, die einmal verliebt ineinander waren. Sowie diese beiden hier:
Memories bringt diese Menschen nach Jahren wieder zusammen. Memories lässt die Geschichte dieser Partnerschaften von beiden Seiten erzählen. Es gibt keine unangenehmen Überfalltreffen, sondern immer nur herzerwärmende, schöne Wiedersehen, so wie hier: diese beiden sehen sich nach 40 Jahren wieder.
Memories gibt es schon seit über 10 Jahren im niederländischen Fernsehen und online kann man sich durch's Archiv arbeiten. Ich weiß nicht, ob es so ein Programm auch im deutschen Fernsehen gibt, wenn nicht, dann wird es wirklich Zeit.

Niederländisch für Emo-TV-Fans:

liefje = Liebling
schat/schatje = Schatz, Schätzchen
kusje = Küßchen
zoenen = küssen
omhelzen = umarmen
missen = vermissen
verliefd = verliebt
terugzien = wiedersehen
afscheid = Abschied
voorbij = vorbei
Ik wilde niet dat het voorbij is. = Ich wollte nicht, dass es vorbei ist.
kriebels = Kribbeln, im Bauch
vlinders = Schmetterlinge
Ik heb vlinders in mijn buik. = Ich hab' Schmetterlinge im Bauch.

torsdag, juni 18, 2009

Koti-ikävä

Mit dem Heimweh verhält es sich nämlich so:

Es schleicht sich ganz langsam von hinten an, heiss und kalt zugleich. Die Tränen steigen mir in die Augen, wenn ich die Fernsehturmminiatur sehe. Dass mir bloss niemand diese Elvis-Version von "Muss i denn" vorspielt, ich würde wohl vertrocknen. Irgendwann gibt es einen Grund ein Ticket zu kaufen. Meine Güte, war ich über ein Jahr lang nicht mehr in Berlin? Aus Heimweh wird ganz langsam Vorfreude und dann, in den letzten Tage vor dem Abflug wird aus Vorfreude Ungeduld. Dann kann ich den ganzen Tag an nichts anderes denken als an die Abflugzeit. Vorfreude macht hibbelig und macht auch, dass ich noch ganz viele E-Mails schreiben muss, Flugdaten durchgeben, wer holt mich, kann auch den Bus nehmen, schon klar. Vorfreude macht, dass ich mich nach Mitbringseln umgucke und mich nach einiger Zeit in Finnland nun frage, wem ich was schon mal geschenkt habe, Verdopplungen vermeiden. Ich weiss auch, dass die Zeit schon wieder viel zu knapp werden wird und ich nach den 72h in der alten Heimat ganz seelig zwischen meinen Finnen sitzen werde. Beim letzten Blick über die Stadt werde ich mir die Tränen aus den Augen wischen, und dann in Vantaa die frische Luft einatmen und denken "endlich zu Hause". Ich werde ihm in den Ohren liegen, mit all den grossen und kleinen Geschichten und glücklich sein. Wir werden das Köstritzer trinken, das ich mitgebracht habe und ich brauche dann eigentlich ein bisschen Urlaub vom Urlaub. Diesmal werde ich nur die Familie sehen und weil es nicht die ganze Familie sein wird und das Heimweh, die Seh-und Sehnsucht weiter an mir nagen, gibt es bald eine Fortsetzung, dann nicht nach Berlin, sondern in die ganz alte Heimat.

lördag, maj 09, 2009

HCR 2009 No Chip no time

Vielleicht war es auf Hydra oder Poros, als er sagte, wie schön es doch wäre, wenn die anderen auch mit von der Partie wären. Zwei mal in der Woche, am Abend, das müßte doch gehen. Dem M. würde es sicher gut tun und du hast auch gesehen, wie der D. sich verbessert hat. Ich denke, 'ja ja', und er dreht seine Runden während ich mir noch eine Weinschorle bestelle und den Hafen begucke, über dem die Sonne untergeht. Ich winke den norwegischen Nachbarn zu. Jede halbe Stunde schlägt die Kirchturmuhr. 'Er müßte längst wieder hier sein.', denke ich und hoffe, er hat sich nicht verlaufen oder sich verklettert oder beides.
Seine Beine sind mit Schrammen überseht und sein Gesicht ganz schmutzig und verschwitzt. Er zeigt auf den Berg. Dort oben sei er gewesen. "Prima Aussicht, liefje! Herrlich."

Wir treffen die L. im in Rom. Wir sitzen am Ausländertisch der Hochzeitsgesellschaft und amüsieren uns prächtig. Ja, sie lebe auch in Helsinki und sie laufe gern. Es dauert keine Woche und wir treffen uns zum ersten Mal, an der Brücke. Der I., der M. und ich haben uns über den Berg gequält, halb laufend, halb kriechend. Es ist kalt, aber das macht nichts, weil wir schon nach 10 Minuten leichten Trabens mit roten Köpfen durch den finnischen Abend laufen.

Wir treffen uns nun jeden Dienstag und Donnerstag, an vielen Sonntagen auch. Wir rufen den Hasen hinterher "Bugs! Bugs!". DJ und der M. laufen sogar im Blizzard, Ende November. Die Temperaturen steigen nicht mehr über 0°C. Die L, Italienerin und der I., Spanier, laufen tapfer. Der M. und ich fluchen auf Deutsch. Wer uns hören kann, versteht uns nicht. Dem I. aus Spanien wird es irgendwann zu kalt. Auch das Anrufen hilft nicht. Sturheit sage man den Menschen aus Asturien nach, meint er. Bei - 16°C und Sonne ist es dann auch der L. zu kalt. Sie ist froh, nicht als erster Südeuropäer das Handtuch geworfen zu haben. Der M. berichtet nach Weihnachten, dass seine Mutter sich ob des leichteren Körpers des ältesten Sohnes fast erschrocken hatte.
Bei -18°C laufen der L., der M. und ich selbst noch die kleine, grosse Runde und hoffen auf höhere Temperaturen.

Der Winter dauert länger als wir dachten. Irgendwann führt uns die Laufroute sogar über das Eis.

Ein paar Mal laufen wir die 16km, nicht ganz am Stück durch, aber immerhin. Durch Schneematch, auf Eis, im Schneeregen. Das wäre doch zu gefährlich, nicht gut für die Knie oder die Lunge, hören wir Freunde und Familie sagen. Sonntagabends, wenn der Schnee auf den Schuhen zu Wasser geworden ist und die Socken durchgeweicht sind, blinzeln wir neugierig in die beleuchteten Fenster. Man kocht. Man sieht fern. Man liest Kindern vor. Irgendwo wird eine Flasche vom Roten entkorkt.

Der M., der sich über die letzten Monate schon einige Kilos abgerannt hat, meint, dass die ja nur faul wären und es immer noch besser wäre möglicherweise zu fallen als sicherlich Pfunde anzusetzen. So muntern wir uns gegenseitig auf.

Vor zwei Wochen war es dann soweit.
Danach gab es Champagner, der L., der alte Franzose, verkippte fast die halbe Flasche vor lauter Glück. Die L. hat mich kurz vor dem Ziel noch eingeholt, aber das war egal. Wir haben geschafft, was viele von uns bis vor einigen Monaten für absurd gehalten haben. Wir sind 17.4km gelaufen und zwar in sehr passablen Zeiten.

Und heute?

Der M. kommt nun doch nicht mit, dafür aber der C. Wir beginnen in verschiedenen Gruppen. Die T-Shirts und die Chips für die Zeitmessung liegen vor mir. Halbmarathon. DJ hat bisher als einziger von uns einen Halbmarathon bestritten.

Die ersten 10km will ich unter 1h laufen, die zweiten unter 1h10. Der Wind pfeifft durch den Kaminschacht. Es regnet heute zum ersten mal nach Wochen.

Es kribbelt schon im Bauch. So wie früher in der Schule, bevor wir vor der Klasse ein Lied singen mußten: Würde ich die Melodie halten können? Würden die Jungs sich wieder die Ohren zu halten? Würde ich anfangen zu lachen und mein Lied nicht zu Ende bringen können? Diese Selbstzweifel. Irgendwie war man allein. Aber alle mußten es ja machen und deswegen war es leichter und am Ende, da war es immer gut. Und viel besser als erwartet.

lördag, april 04, 2009

EU

23 offizielle Sprachen gibt es in der EU. Hier kann man einen Text auf Finnisch lesen und gleichzeitig hören. Wer genau hinhört und liest, der merkt, dass man Finnisch wirklich so spricht wie man schreibt.

Etwas melodischer, in meinen Ohren, klingt Estnisch.

Der schwedische Sprecher verhaspelt sich zwar hier und da, aber wer auch diesen Beitrag liest und hört, muss merken, dass Schwedisch doch einige Besonderheiten in der Aussprache aufweist, die Aussprache nicht identisch mit dem Schriftbild ist. Finnlandschwedisch klingt ganz anders als Reichsschwedisch, nicht zuletzt dank des Finnischen. Ich finde, dass Finnlandschwedisch viel einfacher zu verstehen ist, als Reichsschwedisch. Einen finnlandschwedischen Wetterbericht gibt es hier, von 1989. Ganz witzig anzusehen.

onsdag, mars 18, 2009

Schnelldurchlauf

Komisch doch, wie das manchmal so geht:

denkt: bloggen, Thema Büro: 3. Person Singular und schlechter Stil, schreibt, Büro, denkt Einleitung: Sprache, schreibt, Zugfahren in Holland 2007, schreibt "herhaling", denkt: "verstehe nur Bahnof" = "verstehe nur herhaling", beginnt über herhaling zu schreiben, denkt: wie Oma damals den Mauerfall verpasste, weil sie nichts gehört hat.

Denkt: hier sollten bald 3 Blogbeiträge stehen mit folgenden Titeln:

1) Fremdsprachen und "Durchschalten"

2) Holländische Sinfonie

3) Wie Oma den Mauerfall überhörte.

Beschliesst den Zweinz mit auf die Reise nach Deutschland zu nehmen, ohne Internet, nur zum Schreiben.

måndag, mars 16, 2009

Matka

söndag, mars 08, 2009

Sonntagseinkauf

Bis zum nächsten Tante Emma Laden sind es 7 Minuten. Sie wäre leider keine Finnin, sagt die Verkäuferin. Ich frage wo sie denn herkomme. "The Baltics.", antwortet sie. Sie weiss natürlich nicht, dass ich mein Herz ein bißchen an die Baltischen Länder verloren habe. Ich erfahre, dass sie aus Litauen kommt. "Vilnius? Klaipeda?", werfe ich ein. Nein, mehr aus dem Süden, sei sie. "Kaunas!", bestimme ich mit einem Lächeln und nun lächeln wir um die Wette, nein, 80km südlich von Kaunas, da komme sie her. Wie schön ich Nida fand, sage ich noch. Und dann drängelt es von hinten. Alle müssen noch schnell vor 21Uhr ihre Sonntagsbiere kaufen. Ich packe ganz langsam mein Gekauftes ein und denke an meine erste Reise durch die Baltischen Länder, 2002, mit Nesi. Im Kleinen Roten von Berlin nach Tampere. Wie wir fast den Autotod gestorben wären, weil sie um jeden Frosch fahren musste in der Dunkelheit. Ich muss an das Küchenmesser denken, das wir neben die Handbremse gelegt hatten, nur für den Fall. Mir fällt wieder ein, wie ich es in der Hand hatte, kurz nachdem wir die litauisch-lettische Grenze passierten und dann nach einer kleinen Jagd, doch angehalten haben: die Nummer der Deutschen Botschaft in Riga fast gewählt mit der rechten, das Küchenmesser in der linken Hand. Dann haben sie uns unsere Pässe in die Hand gedrückt. Die hatten wir in aller Aufregung an der Grenze vergessen. "Welcome to Latvia!", sagte der nette Polizist noch. Wir hören Kindergeschichten vom Kassettenband und wechseln uns mit dem Fahren ab. Im Herbst 2002 gibt es an der Via Baltica nicht ein Motel neben dem anderen. Wir streiten kurz, ob es sicherer ist auf einem Parkplatz in einem Dorf oder auf einem Waldweg, den Kleinen Roten zum stehen zu bringen. Wir verbringen die Nacht irgendwo hinter Riga.
Ich will auch noch sagen, wie mir das Herz aufging, in Nida. Wie schön ich das Thomas- Mann-Haus fand und wie ich, als niemand es sah, kurz meine Hand auf dem Kaminsims abgelgt habe, so wie er auf dem Photo. Die Buddenbrooks habe ich trotzdem nie zu Ende gelesen. Wenn ich sie wiedersehe, werde ich ihr sagen, wie eigenartig ich es fand am Simon-Dach-Brunnen in Klaipeda zu stehen und das echte "Ännchen" zu sehen. Vielleicht würde ich sie fragen, ob sie auch mal aus Versehen Schweineohren mit Majo gegessen hat.
Ich bin fertig mit dem Einpacken und sie sagt, "Come again!", sagt sie und dann "Auf Wiedersehen." Mir fällt kein litauischer Abschiedsgruss ein, nur "Svyturis", "Leuchtturm".

måndag, februari 02, 2009




Willkommene Ablenkung!

måndag, januari 19, 2009

rueckblick

zugenommen oder abgenommen? bisschen zu.
haare länger oder kürzer? länger.
kurzsichtiger oder weitsichtiger? gleich
mehr geld oder weniger gehabt? mehr.
mehr ausgegeben oder weniger? gleich.
mehr bewegt oder weniger? eindeutig mehr dank laufgruppe.
der hirnrissigste plan? wieder mal alles unter einen hut bekommen zu wollen und ein hochbett auf einem fahrrad zu transportieren (gelungen!).
die gefährlichste unternehmung? dem resultat folgend: fahrradfahren. diese fährfahrt nachts in griechenland bei soviel sturm, dass es uns kaum in den sitzen hielt.
die teuerste anschaffung? fotocamera + flugtickets.
das leckerste essen? die kartoffelpuffer von cousin e., 11 jahre alt, und litauisches essen hat genau meine geschmacksnerven getroffen und diese vielen leckeren griechischen meeresfüchte und die lachssuppe mit a. auf dem sofa und der erste happen chèvre mit f. nach so langer zeit. und die miesmuscheln mit den m's und all die fruehstuecke, die mir ans bett gebracht wurden. und anscheinend auch das essen, was ich dem kleinen japanischen freund gekocht habe.
das beeindruckendste buch? nicole glocke und edina stiller, verratene kinder. wobei mir wieder einmal der kaffee hochkam ueber das gesammelte unheil und vor allem das schoenreden der ddr. ansonsten auch auf niederländisch gelesen, ging gut.
der berührendste film? viele dokumentarfilme & das seminar ueber niederländische filme. das beste lied? das selbsterfundene.
die beste cd? coeur du pirate.
das schönste konzert? das einzige: evergrey
die meiste zeit verbracht mit...? arbeit und ihm
die schönste zeit verbracht mit...? freunden: hier und in berlin und in griechenland und mit der familie hier und berlin und mit reisen: mittelfinnland, berlin, baltikum vor allem litauen, griechenland, italien (rom) und immer wieder tallinn zwischendurch.
2008 zum ersten mal getan? an einem laufwettbewerb teilgenommen und d. abgehängt!
2008 nach langer zeit wieder getan? umgezogen.
drei dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? die grippe am anfang des jahres, von einem autofahrer angefahren worden zu sein, streit mit dem bruder am ende des jahres.
das schönste geschenk, das ich jemandem gemacht habe? weiss ich nicht.
das schönste geschenk, das mir jemand gemacht hat? dieses "herzlich willkommen" beim einzug.
der schönste satz, den jemand zu mir gesagt hat? ok, machen wir.
den schönsten satz, den ich zu jemandem gesagt habe? weiss ich nicht
die wichtigste sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? und konnte: dass wir weihnachten zusammen verbringen.
2008 war mit einem wort...? vor allem im letzten drittel, gut und ruhig.